Unser Weihnachtsfest 2018

Schon in der Nacht zum Heiligen Abend können beide Kinder nicht wirklich schlafen. Zunächst tue ich es als Aufregung vorm Geschenkemarathon ab, aber es wird schnell klar: Der Dreijährige glüht am ganzen Körper: Fröhliche Weihnachten!

So kommt es, dass wir alle weniger schlafen als eigentlich nötig wäre. Dieses Jahr wird das Weihnachtsfest wohl etwas ruhiger…

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Am Morgen des 24. mache ich mich auf den Weg, um  schnell noch die vergessenen Eier einzukaufen und schon von weitem ruft mir ein Nachbar ein “Viel Erfolg, es gab nicht mal mehr einen Einkaufswagen!” zu. Im Laden selbst ist es weniger schlimm als erwartet. Scheinbar haben alle vorausgedacht und ihre Weihnachtseinkäufe schon in der vergangenen Woche erledigt.
Zuhause frühstücken wir, lesen etwas und betüddeln das leidende Kind. Es ist so matt, dass es nur herumliegen kann. Das Fieberthermometer erklärt: 39,5 Grad – und das am Morgen.

Mittags lassen sich beide Jungs zu einem kurzen Mittagsschlaf überreden und anschließend bereiten wir das Abendessen vor: Es soll Schnitzel, Würstchen und Kartoffelsalat geben. Zum Nachtisch bereite ich einen Applecrumble mit Vanilleeis vor, der später nur noch in den Backofen geschoben werden muss.

Am Nachmittag wollen wir eigentlich gemeinsam einen Spaziergang machen, um den Vögeln ein kleines Weihnachtsgeschenk zu bringen, aber der große Junge ist so erledigt, dass er im Bett bleiben möchte. So fahre ich den kleinen Augustjungen im Kinderwagen eine Runde spazieren, während der Papa wartet, ob uns das Christkind einen heimlichen Besuch abstattet und seine Geschenke unter den Baum legt.

Dann ist endlich Bescherung: Wir öffnen die Türe zum Wohnzimmer und das kranke Kind steuert erschöpft die Couch an. Selbst das Geschenke öffnen ist ihm zu anstrengend. Hach… Der Augustjunge dagegen jauchzt vor Glück: Alleine der Anblick des leuchtenden Baumes, die glänzenden Päckchen und der neue Marktstand, den die Kinder gemeinsam bekommen, machen ihn glücklich.

Dann essen wir zu Abend und schon sind es nach Acht. Beide Kinder fallen müde ins Bett, melden sich aber im Laufe des Abends mehrmals. Wir beenden den Abend mit ein, zwei Gläsern Wein, Bud Spencer und Chevy Chase und denken: “Schöne Bescherung“…

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In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag wimmert der große Junge so laut, dass ich ihn in mein Bett hole. Als er morgens immer noch hoch fiebert, packe ich ihn ein und bin pünktlich um Viertel vor 9 in der Kinderklinik. Erwartent, dass wir sehr lange warten müssen, bin ich überrascht, dass wir direkt ins Sprechzimmer gehen können. Nach einem Pickser in den Finger wird klar: Der Junge muss auf der Couch oder im Bett bleiben und die Fahrt in die Heimat muss verschoben werden!

Als wir das Sprechzimmer verlassen, sehe ich das übervolle Wartezimmer. Oh, da haben wir wohl Glück gehabt! Und ich möchte das hier unbedingt erwähnen: Alle Mitarbeiter, die Ärztin, die Labordame – einfach alle waren so wahnsinnig lieb und freundlich und gutgelaunt und verständnisvoll. Und das an solch einem Tag, an dem alle Anderen frei haben. Vor lauter Aufregung habe ich leider vergessen mich dafür ordentlich zu bedanken und vermutlich werden sie das hier auch nicht lesen, aber: Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, denn so haben sie dem Kind sehr seine Angst genommen (und mir auch)!

Zuhause entscheiden wir, dass der Papa mit dem kleinen Jungen alleine in die Heimat fährt und wir uns einen ganz ruhigen Tag machen: Wir spielen mit dem neuen Marktstand und schlafen und kuscheln sehr viel. Da wir natürlich nicht damit gerechnet hatten zuhause zu bleiben, essen wir eben das, was der Kühlschrank so hergibt: Fischstäbchen aus dem Tiefkühlfach und die Reste vom Vortag.

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Schon ist der zweite Weihnachtsfeiertag – und ich werde um 05:50 Uhr vom großen Jungen geweckt. Als ich raffe, dass sich der Mann nicht erbarmen kann nach dem Kind zu sehen, da er nicht da ist, realisiere ich: So muss sich alleinerziehend anfühlen. I feel you…
Es wird nicht besser: Das Kind klagt erneut über Bauchschmerzen und wir beginnen den Tag gemeinsam kuschelnd mit einer Wärmflasche im Bett, dann mit einer heißen Dusche, Kaffee, der Sendung mit der Maus und leider auch trockenem, abgepacktem Brot. Außerdem teilen wir uns brüderlich die letzten drei Scheiben Salami.

Den Morgen verbringen wir mit lesen und einkaufen am neuen Marktstand. Als dann endlich der so herbei ersehnte Bruder nach Hause kommt, schlägt die Stimmung sehr schnell um und der Dreijährige möchte doch nicht, dass auch der kleine Junge mit der Kasse, dem Obst und dem Gemüse spielt. Als alles nichts hilft drohen wir erfolglos damit, dass der Stand “gleich abgebaut wird”. Anfängerfehler! Wir sammeln schließlich alles wieder ein und packen es in unser elterliches Schlafzimmer. Schade, das war wohl nichts…

Nach dem kleinen Mittagessen legen wir uns alle hin – und ich bin die Einzige, die sehr leicht zum Schlafen zu überreden ist. Die Männer spielen stattdessen mit Lego und sortieren ihre Autokiste aus – und finden ein paar heißgeliebte (und scheinbar sehr vermisste) Fahrzeuge.
Nach meinem Mittagsschläfchen koche ich uns einen Kaffee und wir essen gemeinsam ein paar Kekse. Dabei denke ich an all die leckeren Torten, die jetzt wohl bei meiner Familie auf dem Tisch stehen dürften. Und richtig: Beim Telefonat werden mir solche präsentiert. Lechz!

Dafür klingelt es plötzlich und die Nachbarn haben ihre Tochter mit einem Tellerchen bester Lachsschnittchen und Tomate- Mozzarella- Spieße geschickt. Scheinbar haben wir ihnen etwas leid getan und ich bin selig: So geht weihnachtliche Nächstenliebe! <3
Da der große Junge nun einen ziemlichen Lagerkoller schiebt (und der Kleine ihm kaum nachsteht), packen wir uns dick ein und gehen eine Runde an die Luft, um die restlichen Meisenknödel zu verfüttern und auch etwas Liebe zu verteilen (Klingt toll, aber ehrlich gesagt hatten wir einfach Angst, dass wir hier sonst auch alle noch eine Meise bekommen…).

Wieder zuhause bereiten die Jungs das Abendessen zu und ich fasse den heutigen Tag zusammen. Außerdem gehe ich noch eine kleine Runde alleine vor die Türe und streichel meine neue zweirädrige Freundin. Dann setze mich auf eine Bank in der Nachbarstraße und beobachte die weihnachtlich geschmückten Fenster und deren Menschen dahinter, die wohl ebenfalls das Fest kulinarisch ausklingen lassen. Schön!

Inzwischen hat der Papa fertig gekocht und es gibt Bruschetta und einen riesigen Topf, wahnsinnige köstlicher Wildschwein- Bolognese, die mich sehr mit diesem Weihnachtsfest versöhnt (und noch mehr satt macht). Nachdem die Jungs gebadet haben und ins Bett gegangen sind, trinken wir ein gutes Glas Rotwein und legen uns gemütlich zum Filme gucken auf die Couch.

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Auch wenn Weihnachten in diesem Jahr doch etwas anders gelaufen ist als es geplant war, wurde ich von der ganzen Familie, unseren Freunden, Nachbarn und Fremden mit so viel Liebe überschüttet, dass ich trotzdem finde: Weihnachten war sehr schön und ist wirklich das Fest der Nächstenliebe!

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