Talking Dad: Kinder bei gesellschaftlichen Anlässen

Eltern (oder in meinem Fall Vater) sein, ist nicht immer die heile Welt und das entsprechende blabla vom Titelblatt der üblichen Magazine. Einiges geht einem auch gehörig auf den Zeiger. Man darf auch mal was scheiße finden.
Zum Beispiel: Kinder bei gesellschaftlichen Anlässen.

Man kennt das: man ist auf eine Veranstaltung mit Dresscode, sagen wir mal: eine Hochzeit, eingeladen und stellt 2 Stunden vor Beginn erschreckend fest: der Konfirmationsanzzug ist um die Hüften etwas eng geworden. Die Hektik, die dann in Kopf und Kreislauf ausbricht, ist nicht im Geringsten damit zu vergleichen, wenn man mit Kind zu solchen gesellschaftlichen Anlässen geht. Noch schlimmer: mit zweien.

Gut, die Frage der Kleiderwahl bei den Kindern sehe ich nicht so eng. Meine Frau schon, sucht sie doch an solchen Tagen gern etwas partnerlookiges aus, was ich wiederum extrem grausig finde. Aber, mein Gott: ist nach spätestens 2 Stunden eh dreckig, das Zeug. Und selbst das ist mir relativ egal. Kindern dürfen dreckig sein. Auch bei solchen Veranstaltungen.

Es geht mir eher um diese Momente, in denen man merklich rot anläuft und am liebsten ganz, ganz, ganz woanders wäre. Es fängt bei Familienbildern – Omma’s 70ster oder so – an: das einzige, was hier funktionieren könnte, wäre eine große Tüte Süßkram, der direkt an der Kamera hängt. Dann wären die lieben Kleinen zumindest im Bild. Ob sie dann auch noch ein vernünftiges Gesicht machen, in die Kamera schauen? Das kann leider niemand vorher sagen. Ich versuche daher, gestellte Fotos zu vermeiden, wo es nur geht.

Eine Stufe schlimmer ist dann, wenn Kind1 beginnt aus – ja, aus was? Langeweile? – die ihm unbekannten Gäste anzupöbeln. Was sonst immer so niedlich erzählt wird, ist hier deutlich klarer: „du sollst gehen“. Okay, bei Gästen, die man selbst nicht haben will, kann er das gerne weiter so handhaben. Omma fand das allerdings etwas unangebracht.

Eine Falle sind auch Veranstaltungen mit Buffet. Vor allem für Kind 2: das tolle essen sehen aber nicht ran dürfen oder können. Zudem auch noch dieses Besteck auf dem Tisch, das nach intensiver Nutzung schreit. Zur Erklärung: Steht auch nur eine Art von Besteck, Teller, Tasse auf dem Tisch, bedeutet das für Kind2, dass nun augenblicklich seine beste Zeit anbricht: Essenszeit. Das Verständnis wiederum, dass es eventuell noch dauern könnte ist allerdings gleich Null. Wir decken den Tisch mittlerweile nur noch, wenn das Essen auch wirklich fertig ist. Und nun: bei einem Buffet entsteht genau dieses Problem. Ein Graus.

Aber irgendwie sind einige dieser Momente trotzdem irgendwie großartig lustig. Letztes Jahr im Sommer waren wir auf einer Hochzeit inklusive Gottesdienst eingeladen. Wochenlang hatten wir Kind 1 (Kind 2 blieb bewusst außen vor) schon heiß gemacht, dass es nach einem „kurzen“ Kirchgang eine tolle Party fliegt. Offenbar zu sehr: nach einer gefühlten Viertelstunde blökte Junior durch die Kirche (man möge sich den Hall vorstellen): „die sollen jetzt nicht heiraten, ich will Party machen“. Grundsätzlich: völlig richtig. Ging mir genauso. Aber nun ja.

Generell sind Kirchenbesuche etwas problematisch. Wie erklärt man einem Vierjährigen, dass er nicht beim Abendmal mitmachen darf? Oder einem Zweijährigen, dass man nicht rumblökt, wenn alle anderen leise sind?
Ohne eine Menge Spielzeug (bitte achten Sie darauf, dass es so wenig Lärm wie möglich von sich gibt), sind Besuche solcher Örtlichkeiten nur schwer zu überstehen.

Und andererseits hatten Slime doch (wenn auch etwas drastisch) auch recht: man muss sich nicht immer nach der Norm verhalten. Eher so wie diese kleinen Punks!

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