Talking Dad: Kinderwille und Termindomino

Eltern (oder in meinem Fall Vater) sein, ist nicht immer die heile Welt und das entsprechende blabla vom Titelblatt der üblichen Magazine. Einiges geht einem auch gehörig auf den Zeiger. Man darf auch mal was scheiße finden.
Zum Beispiel: Kinderwille und Termindomino.

Die morgendlichen Zeiten zwischen aufstehen, anziehen, Sachen zusammenraffen und Einwurf im Kindergarten sind ja schon so normal, dass man gar nicht mehr weiß, wann man das letzte Mal (Hallo Gleitzeit) pünktlich auf der Arbeit war. Zeitkritisch sind ja vor allem die Momente dazwischen. Wenn Stofftiere noch frühstücken müssen, die Spielzeug-Autos dringend noch eine Runde fahren müssen oder aber die nervigere Variante, wenn beispielsweise die Schuhe nicht die heute gewünschten sind. Oder wenn doch die Verdauung nochmal einsetzt, wenn man schon im Türrahmen steht. Könnt ihr damit nicht bis zum Kindergarten warten? Und warum seid ihr immer dann, wenn es mal wirklich schnell gehen muss, immer so verdammt langsam?

Auch abends ist das schon Gewohnheit. Nach hause kommen, kochen, das ganze Gekrösel aufräumen („hast du unter den Tisch geschaut?“ „Um Gottes Willen“), Klamotten aus, Schlafzeug an, Zähneputzen, Geschichte vorlesen, Bett, fünf Mal (mindestens) rein und in den Schlaf motivieren. Spontan ist man dann ab frühestens 21 Uhr. Spontan müde meistens.

Richtig schön sind auch die Situationen, in denen man sich etwas vornimmt. Und meist richtet man das ja nach dem aus, was Kinder wollen. Oder wollen könnten. Man sich beispielsweise mit Freunden (die auch Kinder haben) verabredet. Man geht – die Kinder kennen und mögen sich ja – davon aus, dass das ein für alle vergnüglicher Nachmittag wird. Davon abgesehen, dass man grundsätzlich eine Stunde später ankommt als verabredet (die anderen zum Glück auch), spielt sich irgendwo vorher immer ein Drama ab: Plötzlich ist der Spielkamerad doch blöd, Kind will lieber bei 28 Grad drin bleiben und Lego spielen oder hat einen anderen Stimmungsumschwung. Kurz: der Kinderwille lässt sich schwer bis gar nicht vorhersagen. Man versucht natürlich, von der Sinnhaftigkeit des Termins zu überzeugen und preist die Vorzüge an. Was natürlich brillant funktioniert, weshalb man – das steht sicher in jedem Erziehungsratgeber im Kleingedruckten, dass das doch richtig ist – auf Belohnung („wenn du mitkommst, bekommst du…“ oder Drohung („wenn du nicht mitkommst, bekommst du…“) umschwenkt. Ende vom Lied ist entweder ein schreiendes, mies gelauntes Kind oder eben der elterliche Einbruch und mies gelaunte alle.

Davon abgesehen, dass man wirklich jede Minute in festgelegte Termine packen muss: Kinderarzt, Friseur, Geburtstagsfeiern sind da noch die einfacheren. Weil: da sind die Kinder ja dabei. Für den eigenen Arzt- oder Friseurbesuch kann man sich dann einen halben Tag Urlaub nehmen oder wahlweise einen Babysitter bestellen. Einen Monat vorher. Ich glaube, ich hatte noch nie so einen gepflegten Kalender wie seitdem ich Kinder habe. Nebenbei: wann gehe ich eigentlich einkaufen? Ach ja, der Supermarkt (Hallo Großstadt) hat ja bis 22 Uhr auf.

am drölften zwischen 18:00 Uhr und 18:13 hätte ich noch ein Zeitfenster

Diese Situationen werden also nur noch vom Termindomino getoppt, das eintrifft, wenn einer krank ist. Und man den Tag schon beim morgendlichen Fiebermessen oder (viel schlimmer) Durchfallwindeln-Wechseln zerbröseln sieht. Man hatte den Tag doch eigentlich anders geplant. Stattdessen sitzt man mit nöligem Kind zu Hause und hofft, der Kelch möge zumindest an einem selbst vorüber gehen.

Selbstverständlich gibt es auch eine Menge Tage an denen alles völlig entspannt und reibungslos abläuft. Und dann ruft der Kindergarten an, weil dein Kind dünn abseilt.

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