Talking Dad: das erste Kita-Jahr

Eltern (oder in meinem Fall Vater) sein, ist nicht immer die heile Welt und das entsprechende blabla vom Titelblatt der üblichen Magazine. Einiges geht einem auch gehörig auf den Zeiger. Man darf auch mal was scheiße finden.
Zum Beispiel: das erste Kita-Jahr (und kranke Kinder).

Gut, wir haben „erst“ 8 Monate des ersten Kita-Jahres überstanden. Insofern ist das hier dann wohl eher eine Zwischenbilanz. Was waren alle aufgeregt, als der ältere Sohn im August zum ersten Mal in den Kindergarten ging. Es hat auch nur 6 Wochen gedauert, bis sein Wille gebrochen die Eingewöhnung  – also offiziell – beendet war und er zumindest was ähnliches wie „gerne“ hin gegangen ist.
Was wir uns niemals vorgestellt hätten (wer kann sich schon an die eigene Kindergartenzeit im Detail erinnern?), ist, welche Erfahrungen damit sonst noch einhergehen.
Angefangen bei der Einrichtung selbst: ich hatte die blumige Vorstellung eines Kindergartens mit großem Außengelände samt pfuschneuem Spielplatz, jungen, engagierten Erziehern und einem Betreuungsschlüssel von maximal 5 Kindern pro Erzieher. Bekommen haben wir einen städtischen Kindergarten im Reihenhaus, einen eingezäunten Außenbereich, der kleiner ist als der Garten meiner Eltern und ständige Nachrichten zur Unterbesetzung der Einrichtung. Aber hey: wir wohnen in Köln, wir können froh sein, dass wir überhaupt einen Platz bekommen haben, der nicht auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt.

Es hat knappe drei Tage gebraucht, bis der Kurze mit Schimpfworten um sich geworfen hat, die er zu Hause ganz sicher nicht hört. Bleibt nur die Frage, ob er sich das bei den Kollegen oder den Erzieherinnen abgeschaut hat.

Außerdem scheint der Kindergarten heutzutage zu einer Art Laufsteg für Kleidung aus dem Merchandising-Katalog sämtlicher Kinder-Serien, -Spielzeuge oder im Bestfall der Kombination aus beidem verkommen zu sein. Jeden morgen werden Pullover, Gürtel, Schuhe verglichen. Und es muss – MUSS – etwas aktuell Angesagtes sein. Und ich Idiot habe mir angewöhnt zu fragen, was er gerne anziehen möchte.

Hinzu kommt die Seltsamkeit, dass Sohnemann mittlerweile ganze Dialoge aus Star Wars rezitiert obwohl er davon noch nie etwas mitbekommen hat. Außer eben dem Merchandising seiner Freunde. Aber gut, so werden die Unterhaltungen zu Hause interessanter.

Ach ja, die Eingewöhnung: Immer, wenn man den Eindruck hat, dass er jetzt aber wirklich, wirklich, wirklich gerne hingeht, beginnt das erste Gespräch am Morgen mit „muss ich heute in den Kindergarten?“ und man ahnt schon, dass man ihn heute wieder an den Beinen dort hin schleifen muss. Komischerweise aber meist auch umgekehrt: gerade an solchen Tagen will er komischerweise abends nicht nach Hause sondern am liebsten im Kindergarten übernachten.

Passend zur Zwischenbilanz hatten wir auch kürzlich unser erstes Elterngespräch. Gutes Training für die Zeit vor dem Schulabschluss, auch Eltern müssen sowas ja üben. Heraus kam, dass wir ein eigentlich recht normales Kind haben, dass ein wenig an seiner Eigenorgansiation arbeiten soll. Ich dachte, er geht in den Kindergarten, damit er genau das nicht machen muss, sondern mit anderen Kindern spielen kann. Organisieren muss er sich doch noch lange genug. Nun gut, man muss also heutzutage auch schon im Kindergartenalter funktionieren. Andererseits haben wir so auch endlich etwas über seien Alltag im Kindergarten erfahren. Zu Hause laufen Gespräche dazu nämlich eher so ab: „Wie war es denn im Kindergarten und was hast du so gemacht?“ „Schön.“ (Ende der Unterhaltung)

Der allergrößte Horror im Kita-Alltag ist, vermutlich für alle Eltern, das Nachrichten-Brett auf dem aktuelle Krankheiten kommuniziert werden. Muss man sicher nicht näher erläutern, was gemeint ist: Läuse, Röteln, Pest, Lepra…

Alle Geschichten, das erste Kita-Jahr betreffend – die ich für übertrieben hielt – kratzen ja höchstens an der grausigen Wahrheit: eigentlich ist seit September immer einer der beiden (auch wenn der Kleine „nur“ zur Tagesmutter geht) von irgendeinem Virus oder Bakterium befallen. Und steckt den anderen munter an. über diese Erfahrung habe ich feststellen dürfen: Magen-Darm ist die Geißel der Menschheit!
Kurzer Exkurs: Nicht nur, dass sich die Kleinen wirklich, wirklich mies fühlen, sie können damit auch absolut nicht alleine umgehen. Es wird also des Nachts die vollgewürgte Bettwäsche gewechselt (zuletzt: drei Mal! DREI!), auf Toilette begleitet und Papas Rücken runter gegöbelt. Das Kind wird mühsam wieder aufgepäppelt und spätestens nach zwei Tagen muss man es wieder von fettigen Speisen abhalten, was schwerer gesagt als getan ist. Das alles um sich dann drei Tage später selbst mit flottem Otto auf der Toilette wiederzufinden.

Aber zurück zum Krankheiten-Brett im Kindergarten: das macht mich so nachhaltig mürbe, dass ich kürzlich beängstigt lesen musste „ein Kind hatte Scharlach. Herzlichst, ihre Kindergartenleitung“ schon die erste Batterie Tabletten ordern wollte. Bis mir einfiel: war ja mein Kind.
Aber im zweiten Jahr wird das sicher alles besser. Alles.

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