Seit fast drei Wochen ist der große Junge nun auch ein großer Bruder. Von unserem holprigen Start wollen wir euch heute berichten:
Mein Herz läuft über

Natürlich hatten wir schon im Vorfeld versucht ihn gut darauf vorzubereiten: Wir blätterten mit ihm durch Babybücher, wir guckten uns im Zoo die niedlichen Tierbabys an, ich nahm ihn einmal mit zur Hebamme. Wir erklärten ihm, dass in Mamas dickem Bauch nun ein kleiner Bruder heranwächst und er durfte den Kindernamen per Losverfahren entscheiden. Aber ob das reichen würde?Nie werde ich vergessen, wie der große Junge zum allerersten Mal den kleinen Augustjungen gesehen hat: Etwas schüchtern, aber mit strahlendem Gesicht, nachdem ihm sein Papa gesagt hat, dass das Baby jetzt da ist, ist er ins Schlafzimmer gekommen, wo ich mit dem Neugeborenen auf dem Bett lag. Da war der kleine, schlafende Augustjunge gerade mal ein paar Stunden alt. Anfassen wollte er ihn zunächst nicht, aber er war trotzdem absolut fasziniert von dem kleinen Menschlein mit den winzigen Fingern.

Im Geburtsvorbereitungskurs hatte man uns erklärt, dass man am besten nicht genau dann stillen soll, wenn sich beide Kinder zum ersten Mal sehen werden – daran hielten wir uns auch. Dafür brachten sich die beiden Jungs gegenseitig kleine Geschenke mit, die glücklich vom großen Sohn ausgepackt wurden.
Ein wenig später schleppte er seine Bettdecke und sein Kuschelkissen an und unter größter Kraftanstrengung schob er sogar sein Bett quer durchs Kinderzimmer, um es ebenfalls zu uns zu bringen. Für ihn war klar: In Zukunft schlafen wir im Schlafzimmer alle gemeinsam!
Am Ende meiner Schwangerschaft hatte mich der große Junge ziemlich abgelehnt und eindeutig seinen Papa präferiert. Wenn ich ihn mittags abholte, dann war er häufig sauer, wenn er mich sah. Er weigerte sich in den Kinderwagen einzusteigen, hob die Hand gegen meinen Bauch und ganz oft gelang es mir sogar nur mit “Bestechung” (Spielplatz, Zoo, Eis essen etc.), dass er überhaupt zum Mitgehen zu überreden war.
Nun war alles anders und man merkte, dass er relativ schnell in Konkurrenz zum neuen Baby getreten war: Er brauchte viel Nähe und wollte ständig in meine Arme. Als am fünften Tag postpartum unsere Tagesmutter anrief und mir erzählte, dass er dort nun ständig weint, nach mir fragt und von mir abgeholt werden möchte, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten – und hatte ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen.
Auffallend war/ ist auch, wie häufig der große Junge nun das Wort “meins” oder “gehört mir” benutzt und wie ungern er manches teilen möchte. Allerdings ist das auch ein typischer Entwicklungsschritt seines Alters. Aber hatten wir ihn trotzdem irgendwo überfordert?
Tatsächlich war mir Instagram und Gespräche mit Mehrfacheltern eine Hilfe, denn dort schilderten so viele das gleiche Problem und dass das ganz normal sei: Herr Katz und ich überlegten uns, dass es sich für uns richtig anfühlen würde, wenn wir seine ihm bekannte Routine beibehalten, in der wir zum Beispiel morgens alle gemeinsam im Bett kuscheln – egal wie hart die Babynacht gewesen ist und wie müde ich auch bin. Außerdem unternimmt eben der Papa ganz besondere Sachen mit dem großen Kind, in der sie die Papa – Sohn – Zeit genießen können. Auch ich wünschte mir täglich eine wertvolle Auszeit mit ihm, in der wir etwas schönes gemeinsam machen können (lesen, basteln, kneten, puzzeln, malen) und in der das Baby keine Rolle spielt. Natürlich soll sich das auch nicht ändern, wenn Papas Elternzeit schon bald vorüber sein wird.
Mit viel Geduld “erholte” er sich und schlägt nun auch mal selbst vor, dass sein Bruder bei verschiedenen Aktionen dabei sein könnte. Zum Beispiel wickeln wir die Jungs gerne gemeinsam, was er besonders toll findet. Auch zur Gute- Nacht- Geschichte ist der kleine Junge jetzt manchmal dabei, wenn wir ihn nicht schon vorher gemeinsam ins Bett gebracht haben. Einmal legte ich das Baby allerdings zum Großen mit ins Bett, was der richtig blöd fand und mir schnell klar machte: “Mein Bett, kein Baby!
Irgendwann fing er vorsichtig an mit dem Baby zu kuscheln und es zu küssen und zu akzeptieren, dass da jetzt noch jemand ist und spätestens als er von der Tagesmutter nach hause kam, strahlend in den Laufstall guckte, wo gerade kein Baby lag und nach seinem Bruder fragte, weiss ich: Alles ist, bleibt und wird gut! 




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